Pressekonferenz 2018

PD Dr. Joachim Wachtlin

Pathologische Myopie – Gefahr für das Augenlicht

Kurzfassung

Die Kurzsichtigkeit (Myopie) ist auf dem Vormarsch: Schon 46 Prozent der 25-jährigen Menschen in Europa sind kurzsichtig und die Tendenz ist steigend. Das bedeutet, dass auch die hohe Myopie häufiger wird. Menschen, die davon betroffen sind, haben ein höheres Risiko für Folgeerkrankungen, die das Sehvermögen ernsthaft bedrohen können. Auch eine Brille kann das Sehen in diesem Fall nicht mehr verbessern. Ab einer Kurzsichtigkeit von -6 Dioptrien spricht man von einer krankhaften oder pathologischen Myopie. Menschen mit Myopie sollten ihre Augen regelmäßig augenärztlich untersuchen lassen, insbesondere wenn sie so hoch ist. So lassen sich Folgeerkrankungen früh erkennen und können rechtzeitig behandelt werden.

Kurzsichtig ist ein Auge, wenn der Augapfel im Verhältnis zur Brechkraft zu lang ist. Die einfallenden Lichtstrahlen bündeln sich dann vor der Netzhaut, so dass ein unscharfes Bild entsteht. Ein durchschnittlicher Augapfel ist etwa 23,5 mm lang; ab einer Länge von mindestens 26,5 mm liegt eine krankhafte Kurzsichtigkeit vor. Ein besonders langer Augapfel ist auch „dünnwandig“ und anfällig für Schäden: Netzhautlöcher oder eine daraus entstehende Netzhautablösung können auftreten und krankhafte Gefäßneubildungen im Bereich der Netzhautmitte (Makula) sind möglich. Zudem treten eine Spaltbildung in der Netzhautmitte (myope makuläre Retinoschisis) und ein Glaukom (Grüner Star) häufiger auf. Die altersbedingte Trübung der Augenlinse (Grauer Star, Katarakt) setzt bei kurzsichtigen Menschen oft schon früher ein. Die krankhafte Kurzsichtigkeit ist in Westeuropa für sieben bis neun Prozent der Fälle von Blindheit und Sehbehinderung verantwortlich.

Menschen mit einer Myopie, besonders diejenigen mit stark kurzsichtigen Augen, benötigen deshalb nicht nur eine Sehhilfe. Sie sollten sich auch dessen bewusst sein, dass sie unter einer krankhaften Veränderung des Auges leiden und das Risiko für weitere, teils schwerwiegende Augenerkrankungen, die durch die größere Länge des Augapfels und dünnere Gewebeschichten bedingt sind, ansteigt. Gerade kurzsichtige Menschen sollten daher die Gesundheit ihrer Augen regelmäßig in einer Augenarztpraxis untersuchen lassen und besonders sensibel auf Sehverschlechterungen achten. Wenn sich das Sehen bei hoher Kurzsichtigkeit ändert, sollte immer zunächst eine Augenerkrankung als Ursache ausgeschlossen werden. Viel seltener als bei Normalsichtigen oder bei Personen mit leichtem Sehfehler muss mit einer neuen Brille behandelt werden, es kann vielmehr eine andere Behandlung wie einer Operation nötig werden, um einen weiteren Sehverlust zu vermeiden. Das gilt auch für Menschen, die sich für eine operative Korrektur ihres Sehfehlers – sei es mit einem Lasereingriff wie der LASIK, sei es mit einem Austausch der Linse – entschieden haben. Denn diese Operationen ändern nichts an der Länge des Augapfels und der damit verbundenen Ausdünnung der Gewebeschichten und somit auch nichts an dem Risiko, von den genannten Erkrankungen betroffen zu werden.