Pressekonferenz 2017

Prof. Dr. Christoph Hintschich

Operationen am Augenlid für den Erhalt der Sehkraft

Kurzfassung

Fehlstellungen der Augenlider, die einer chirurgischen Behandlung bedürfen, sind im höheren Alter keine Seltenheit. Für die Betroffenen spielt häufig der ästhetische Aspekt eine wichtige Rolle, Augenärzte haben jedoch vor allem die Funktion der Lider im Blick: Beim Blinzeln wischen sie vier bis sechs Mal pro Minute über die Augenoberfläche und verteilen den Tränenfilm, so dass Horn- und Bindehaut vor dem Austrocknen geschützt werden. Beim Lidschlag werden auch feine Fremdkörper entfernt. Das Lid schützt das Auge vor mechanischen Störungen und vor zu starkem Licht. Voraussetzungen dafür, dass es all diese Aufgaben erfüllen kann, sind eine glatte, an die Augenoberfläche anliegende Lidkante und die Möglichkeit zum vollständigen Lidschluss.

Das Sehvermögen kann durch Lidfehlstellungen auf ganz verschiedene Weise beeinträchtigt werden. Ein herabhängendes Oberlid engt das Gesichtsfeld ein. Liegt die Lidkante nicht an der Augenoberfläche an, dann wird die Hornhaut nicht mehr ausreichend mit Tränenflüssigkeit benetzt, so dass ein Trockenes Auge entstehen kann, eventuell sogar ein Defekt der obersten Hornhautschicht oder ein tiefes Hornhautgeschwür. Wird ein derartiges Geschwür nicht erfolgreich behandelt, droht eine bleibende Hornhautnarbe, die die Sehschärfe mindert.

Es gibt verschiedene Formen von Lidfehlstellungen. Wenn die Lidkante nach innen verkippt (Entropium), scheuern die Wimpern auf der Hornhautoberfläche und reizen sie dauerhaft (Trichiasis). Narben, die nach Unfällen oder Operationen entstehen, können den vollständigen Lidschluss verhindern (Lagophthalmus). Auch eine Lähmung des Gesichtsnervs, eine Fazialisparese, kann dies verursachen. Die Folge ist ein Austrocknen der Augenoberfläche. Sie droht ebenfalls, wenn das Unterlid nach außen kippt (Ektropium). Besonders häufig ist die erworbene, sogenannte involutive Oberlidptosis, bei der das Oberlid herabhängt, so dass es in schweren Fällen sogar die Blickachse verdecken kann. Sie ist zu unterscheiden von einer Pseudoptosis, die durch ein Nachlassen der Hautspannung im Alter entstehen kann (Dermatochalasis, „Schlupflid“).

Wenn die Patienten durch eine der oben beschriebenen Lidfehlstellungen subjektiv Beschwerden empfinden oder wenn das Risiko einer bleibenden Visusbeeinträchtigung besteht, sollte zügig ein lidchirurgischer Eingriff erfolgen. Hierfür ist eine genaue Kenntnis der Anatomie wesentliche Voraussetzung. Denn so klein das Augenlid auch ist, sein Aufbau ist hoch komplex. Es gibt eine Vielzahl erprobter und bewährter Operationsmethoden, die es einzeln oder kombiniert erlauben, wieder eine normale Lidstruktur zu schaffen. Je nach Art, Lokalisation und Ausmaß der Lidfehlstellung wählt der Chirurg die geeignete Methode aus. In aller Regel ist die Lidchirurgie in lokaler Anästhesie möglich und nicht selten erfolgt der Eingriff ambulant, so dass der Patient noch am selben Tag nach Hause gehen kann. Ernsthafte Komplikationen treten sehr selten auf.