Pressekonferenz 2017

Prof. Dr. Esther Hoffmann

Frühe Diagnostik für eine individualisierte Therapie

Kurzfassung

Das Glaukom ist eine der führenden Erblindungsursachen in der Welt, und auch in Deutschland ist die Augenkrankheit Jahr für Jahr dafür verantwortlich, dass etwa 2000 Menschen ihr Augenlicht verlieren. Gerade angesichts der demographischen Entwicklung in Deutschland gewinnt die Volkskrankheit an Bedeutung, denn mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an einem Glaukom zu erkranken.

Dass bei dieser tückischen Augenkrankheit die Früherkennung eine besondere Rolle spielt, werden Augenärzte nicht müde zu betonen, gerade während der aktuell laufenden Welt-Glaukom-Woche (12. bis 18. März 2017): Die Krankheit beginnt schleichend und verläuft oft über Jahre ohne Symptome.

Beim Glaukom sterben nach und nach die Fasern des Sehnervs ab. Die Krankheit entsteht, wenn die Druckverhältnisse im Auge aus dem Gleichgewicht geraten. Vielfach ist ein erhöhter Augeninnendruck für das Absterben des Nervs verantwortlich, aber auch ein niedriger Blutdruck kann dazu beitragen, dass der Sehnerv nicht mehr ausreichend durchblutet wird, selbst wenn der gemessene Augeninnendruck nicht auffällig hoch ist. Die Folgen der Krankheit sind Ausfälle im Gesichtsfeld. Sie entstehen zunächst in der Peripherie – das ist ein Grund, weshalb die Betroffenen sie nicht bemerken. Nach und nach werden die Ausfälle dann größer. Wenn Patienten selbst bemerken, dass sie nicht mehr so gut sehen, ist in der Regel der größte Teil des Sehnervs bereits zerstört.

Daher empfehlen Augenärzte regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen ab dem 40. Lebensjahr; bei bekannten Glaukomerkrankungen in der Familie auch früher. Dabei begutachtet der Augenarzt den Sehnervenkopf und misst den Augeninnendruck.

Einmal erkannt, gibt es gute therapeutische Möglichkeiten, das Fortschreiten der Krankheit zu stoppen und das Sehvermögen dauerhaft zu erhalten. Augentropfen, Lasereingriffe oder chirurgische Eingriffe helfen, den Augeninnendruck so weit abzusenken, dass der Sehnerv entlastet wird. Damit der Augenarzt beurteilen kann, ob die Behandlung erfolgreich ist oder ob sie eventuell angepasst werden muss, ist eine objektive Dokumentation der Papille eine wichtige Grundlage.

Der Berufsverband der Augenärzte und die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft haben im vergangenen Jahr ihre Empfehlungen aktualisiert, welche Verfahren bei der Verlaufskontrolle und der Dokumentation zum Einsatz kommen sollen. Sobald die Diagnose „okuläre Hypertension“ (erhöhter Augeninnendruck) oder „Glaukomverdacht/auffällige Papillenexkavation“ gestellt wird, sollte zumindest ein Fundusfoto gemacht werden, um den aktuellen Zustand festzuhalten.

Wesentliche Zusatzinformationen über das zweidimensionale Foto hinaus bieten laserbasierte Diagnoseverfahren wie HRT und OCT. Diese Techniken erlauben eine Bildgebung, die detailliert darüber Aufschluss gibt, ob der Glaukomschaden seit der letzten Untersuchung fortgeschritten ist oder ob der Zustand stabil ist.

Die Krankenkassen bezahlen Untersuchungen mit HRT und OCT in der Regel nicht. BVA und DOG empfehlen, dass Augenärzte ihre Patienten über die Vor- und Nachteile dieser Bildanalysen informieren, damit diese selbst entscheiden können, ob sie die Möglichkeiten dieser Hightech-Diagnostik nutzen wollen.