Pressekonferenz 2014

Prof. Dr. Thomas Reinhard

Symptom mit vielen Ursachen: das rote Auge

Viele Krankheiten können ein rotes Auge verursachen. In aller Regel geht die Rötung unabhängig von der eigentlichen Ursache auf eine Erweiterung der Gefäße in der Bindehaut zurück. Meist sind Verletzungen, Infektionen oder Erkrankungen des Immunsystems dafür verantwortlich. Dabei können alle Gewebe des Auges sowie die Lider, die Tränenwege, die Augenmuskeln und die Augenhöhle betroffen sein.

Um die richtige therapeutische Strategie entwickeln zu können, ist eine gründliche Untersuchung notwendig, bei der aufgedeckt wird, welche Ursache hinter den Symptomen steckt und welche Teile des Auges (mit)betroffen sind.

Nach schweren Verletzungen durch scharfe Gegenstände wie Glasscherben oder Dart-Pfeile werden die Patienten in aller Regel umgehend zum Augenarzt oder in eine Augenklinik gebracht. Auch stumpfe Gegenstände können gravierende Verletzungen hervorrufen. Doch auch wenn die Verletzung weniger dramatisch ist und nur eine geringe Rötung des Auges hervorruft, sollte ein Augenarzt prüfen, ob Beeinträchtigungen im Augeninneren vorliegen. Sonst kann die Gefahr bestehen, dass das Auge ohne Behandlung innerhalb weniger Tage unumkehrbar erblindet.

Infektionen beispielsweise mit Bakterien sind häufig die Folge mangelnder Hygiene im Umgang mit Kontaktlinsen. Auch hier ist eine frühzeitige augenärztliche Behandlung notwendig, um ernste, bleibende Schäden zu vermeiden.

Rote Augen können aber auch die Folge einer Autoimmunkrankheit wie etwa einer rheumatischen Erkrankung sein. Gerade bei Kindern ist die Rötung oft nicht sehr ausgeprägt und die Gefahr wird deshalb unterschätzt. Dabei ist gerade in diesen Fällen eine langfristige augenärztliche Begleitung und gegebenenfalls auch Behandlung notwendig, um das Augenlicht zu erhalten.

In den meisten Fällen "röten sich" die Augen allerdings aufgrund einer Bindehautentzündung, die meist spontan abheilt. Oft werden hiergegen antibiotische Augentropfen eingesetzt, die die Heilung aber nicht unbedingt beschleunigen. Die Bindehautentzündung kann bei Kindern auch auf eine Erstinfektion mit Herpes-simplex-Viren zurückgehen. Dann ist die richtige Diagnose und Behandlung besonders bedeutsam. Denn auch wenn diese Erstinfektion nach einigen Tagen spontan abheilt, kann es ohne wirksame Behandlung Jahre später zu einem Rezidiv, einer erneuten Erkrankung kommen, bei der die Hornhaut betroffen ist - ihre Eintrübung kann dann die Folge sein.

Diese Vielfalt an möglichen Ursachen macht es unerlässlich, dass ein rotes Auge fachärztlich beim Augenarzt untersucht wird. Denn nur die differentialdiagnostisch korrekte Einordnung ermöglicht die rechtzeitige Behandlung der Ursache und damit die Vermeidung bleibender Schäden, die das Sehen bedrohen könnten.