Pressekonferenz 2003

Warum der Augenarzt manch anderer Krankheit auf die Spur kommt

Ob Diabetes oder Bluthochdruck, ob Multiple Sklerose oder Aids – bei vielen Krankheiten, die den gesamten Organismus angreifen, kann der Augenarzt frühe Anzeichen zuerst erkennen. Auch Krankheiten der Nase und der Nasennebenhöhlen zeigen sich oftmals durch Symptome, die am Auge auftreten und deren Ursache dann der Augenarzt mit einer Ultraschalluntersuchung der Augenhöhle klärt.

An Diabetes mellitus leiden etwa fünf Millionen Menschen in Deutschland, die in ärztlicher Behandlung sind. Hinzu kommt eine als sehr hoch eingeschätze Zahl noch nicht erkannter Erkrankungen. Infolge der daraus resultierenden zu spät beginnenden Behandlung erleiden viele Diabetiker Erblindung und Amputationen.

Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) ist der Risikofaktor Nummer eins, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu bekommen, die häufigsten Todesursachen in Deutschland.

Sowohl die Zuckerkrankheit als auch der Bluthochdruck verursachen bereits im frühen Stadium Gefäßveränderungen im Augenhintergrund. Regelmäßige Augenhintergrundkontrollen wie z.B. bei der Glaukomvorsorge gewährleisten auch die Früherkennung dieser Krankheiten. Da der Augenhintergrund der einzige Ort im menschlichen Körper ist, wo sich kleinste Gefäßveränderungen erkennen und beobachten lassen, bietet die Untersuchung mit dem Augenspiegel (Ophthalmoskop) die sicherste Erfolgskontrolle jeder Therapie.

Anstatt die Chance zu nutzen, die Augenuntersuchungen bieten, um Krankheiten zu erkennen, bevor sie chronisch werden, zu Invalidität oder gar zum Tode führen, propagiert die Regierung ein Einsparmodell, das nicht allein für den augenkranken Patienten kastastrophale Auswirkungen haben wird: das Hausarztmodell. Da es den Medizinstudenten überlassen bleibt, ihre Kenntnisse der Heilkunde an der Prüfungsordnung zu orientieren, bei der die Augenheilkunde nur eine untergeordnete Rolle spielt, ist das Wissen der meisten Hausärzte – was Augenkrankheiten anbelangt – „statistisches Minimum“. Außerdem fehlen in allgemeinärztlichen Praxen sämtliche Untersuchungseinrichtungen, die notwendig sind, um eine zielsichere Differentialdiagnose zu stellen. Die Augenärzte hoffen für ihre Patienten darauf, dass die gesundheitspolitischen Entscheidungsträger doch noch zu der Erkenntnis kommen, dass alle Sehstörungen, aber auch anscheinend banale Rötungen des Auges, die sich später als schwerer Herpes der Hornhaut erweisen können, vom Augenarzt als Primärarzt untersucht und behandelt werden.