Pressekonferenz 2003

5 Kurzbeiträge mit Abbildungen

 

   Katarakt      



Koffi lebt in einem Dorf in Togo. Er ist erst 10 Jahre alt und fast blind durch eine dichte Linsentrübung auf beiden Augen, den Grauen Star. Der ist in den Entwicklungsländern die häufigste Erblindungsursache. Doch könnte trotz dieser Augenkrankheit das Sehvermögen – wie bei uns – durch eine rechtzeitige Operation gerettet werden. Aber dafür gibt es dort viel zu wenige Augenärzte – in einigen afrikanischen Ländern für 7 Millionen Menschen nur einen einzigen.
Zur Ausbildung einheimischer Augenärzte unterhält der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) ein Projekt in Nairobi in enger Kooperation mit der Universitäts-Augenklinik München. Seit 1978 wurden hier annähernd 100 Augenärzte ausgebildet, die jetzt in ihren eigenen Ländern praktizieren. Wenn man von Südafrika absieht, sind das 10 Prozent aller in Afrika arbeitenden Augenärzte. Auch die Ausbildung der Assistenten wird durch regelmäßige Lehrveranstaltungen unterstützt, dazu gehören „Augensafaris“ mit mobilen Untersuchungs- und Behandlungseinrichtungen. Abgesehen vom praktischen Training ermöglichen diese Safaris, auch in entlegenen Gebieten den von Blindheit bedrohten Patienten zu helfen. Auf jeder von ihnen werden mehrere 100 Patienten operiert – in den meisten Fällen ist es eine Star-Operation, bei der die modernste Technik angewandt und die getrübte Augenlinse durch Implantation einer Intraokularlinse ersetzt wird.


 

   Trachom       


Eine der ältesten Krankheiten der Menschheit ist das Trachom, eine durch Chlamydien hervorgerufene Infektion der Bindehaut des Auges. Die Erreger vermehren sich in den Schleimhautzellen, die Bindehaut vernarbt, dadurch drehen sich die Lidkanten nach innen, die Wimpern scheuern auf der Hornhaut, die sich durch den ständigen mechanischen Reiz eintrübt. Noch gilt das Trachom als zweithäufigste Erblindungsursache in den Ländern der dritten Welt, obwohl durch eine rechtzeitige medikamentöse Behandlung oder im späteren Stadium mit einem chirurgischen Eingriff das Sehvermögen gerettet werden kann. Um diesen verhängnisvollen Augeninfektionen vorzubeugen, müssen die hygienischen Verhältnisse verbessert werden – eine Aufgabe, die intensive Aufklärungsarbeit erfordert.
Das Deutsche Komitee zur Verhütung von Blindheit, dem ein großer Teil der deutschen Augenärzte angehört, informiert seit mehr als 20 Jahren über die Augenkrankheiten, die zur Erblindung führen, über Maßnahmen zur Prophylaxe und über medikamentöse wie chirurgische Behandlungsmöglichkeiten. Gleichzeitig koordiniert das Komitee Hilfsmaßnahmen nationaler Organisationen und Verbände wie z.B. der Christoffel-Blindenmission (CBM), des Deutschen Blindenhilfswerks (DBHW), der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) und des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands (BVA). Eine internationale Vernetzung besteht mit der World Health Organisatin (WHO) und der International Agency for the Prevention of Blindness (IAPB).


 

   Onchozerkose       



Blinde Menschen in einer Schlange aneinander gereiht, die von einem Kind geführt wird – diese Situation trifft man in Westafrika leider noch häufig an. Die Augenkrankheit, die dafür verantwortlich ist, heißt Onchozerkose oder Flussblindheit und tritt gerade dort auf, wo das Land am fruchtbarsten ist: am Ufer der Flüsse. Hier brütet die Kriebel-Mücke. Mit ihrem Stich überträgt sie Würmer (Mikrofilarien), die sich millionenfach unter der Hautoberfläche vermehren und im Körper stetig weiter wandern. So erreichen sie auch die Augen mit zerstörerischer Wirkung: Hornhautentzündung und Degeneration der Netzhaut und des Sehnervs.
Seit langem schon haben das Deutsche Komitee zur Verhütung von Blindheit (DKVB), die Christoffel-Blindenmission (CBM) und andere Organisationen der Kriebel-Mücke dem Kampf angesagt. Zunächst konnte man nur durch ihre Vernichtung versuchen, der Onchozerkose Einhalt zu gebieten. Die Krankheit selber blieb unheilbar. Endlich ist es gelungen, ein Medikament zu entwickeln, bei dem eine einzige Tablette im Jahr die Vermehrung der Würmer im Körper des Befallenen verhindern kann. Jetzt besteht die Möglichkeit, einer verheerenden Tropenkrankheit Herr zu werden. Als „Internationale Tropenophthalmologie“ kooperieren der Berufsverband der Augenärzte (BVA), die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) und das Deutsche Komitee zur Verhütung von Blindheit mit dem Ziel, die für Hilfsprogramme zuständigen Stellen zu einer effizienten Mitarbeit zu motivieren.


 

   Kinderblindheit
(Vitamin A-Mangel)
      



Von den 50 Millionen blinden Menschen auf der Welt leben annähernd 80 Prozent in Entwicklungsländern. In drei Vierteln aller Fälle ist der Verlust des Sehvermögens vermeidbar – sei es durch Vorbeugung oder durch rechtzeitige Behandlung.
Kossiwa aus Togo verlor ihr Augenlicht durch Fehlernährung. Die dichte Hornhauttrübung beider Augen wurde durch Vitamin A-Mangel hervorgerufen, die häufigste Ursache für Erblindung im Kindesalter. Mit Beratung zu vitaminreicher Ernährung und, wo es daran mangelt, mit Vitamin A-Gaben ließe sich erreichen, dass es diese folgenschwere Augenkrankheit nicht mehr gibt.
Neben den Organisationen, die sich die Aufgabe gestellt haben, von Erblindung bedrohten Menschen zu helfen, nutzen viele deutsche Augenärzte ihren Urlaub für einen meist vierwöchigen Einsatz in diesen Ländern. Sie fliegen auf eigene Kosten und nehmen oftmals eine Helferin mit, um in Gebieten zu arbeiten, in denen es keine augenärztliche Versorgung gibt. Ihr Engagement wird oft auf eine harte Probe gestellt. Nicht selten wird ihre Arbeit durch einheimische Bürokratie oder durch „traditional healer“ erschwert, die nicht nur Misstrauen gegen den ausländischen Arzt säen sondern oft Methoden anwenden, die den Erfolg einer gelungenen Behandlung auf katastrophale Weise zunichte machen können.


 

   Low Vision      



Um die Versorgung mit Sehhilfen ist es dort, wo deutsche Augenärzte Hilfe leisten, keineswegs so schlecht bestellt, dass Kinder selbstgebastelte Strohbrillen tragen müssen. Hier geht es vielmehr darum, spielerisch die Akzeptanz von Sehhilfen zu fördern. Es ist nicht immer einfach, Menschen, die fernab der modernen Zivilisation leben, davon zu überzeugen, dass sie ein „unnatürliches“ Aussehen in Kauf nehmen müssen, um wieder sehen und ihre täglichen Aufgaben bewältigen zu können . Hochgradig Sehbehinderte mit geeigneten Hilfsmitteln auszustatten und sie mit der Anwendung vertraut zu machen, ist für die Hilfsorganisationen wie für die deutschen Augenärzte, die aus eigener Initiative in Entwicklungsländern arbeiten, ebenso wichtig wie heilen, aufklären und ausbilden.